Anders erzählt: Sechs besondere Multimedia-Geschichten

“Multimedia-Storytelling” – das steht im Herbst bei den DW-Volos auf dem Ausbildungsplan. Klar, wir erzählen gerne Geschichten. Aber “multimedial”? Zur Vorbereitung haben wir einfach schon einmal einen Blick auf das geworfen, was die Kollegen vom journalistischen Nachwuchs bereits produziert haben. Sechs Beispiele aus den verschiedensten Ecken dieser Welt.

Deutschland: “Flüsterwitze – Protest hinter vorgehaltener Hand” (Bild oben)
“Ein Flüsterwitz ist ein politischer Witz, der in Diktaturen oder zumindest autoritären Systemen beheimatet ist.” In diesem Multimediafeature lassen die beiden Nachwuchsjournalisten Annika Bunse und Julius Tröger Zeitzeugen und Forscher zu Wort kommen. Dafür sind die beiden dieses Jahr sogar mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet worden.

Bewertung: Keine Frage – dieses Special lebt von seinen Protagonisten. Es konzentriert sich außerdem nur auf einen wesentlichen Aspekt (den “Flüsterwitz”) und überflutet damit nicht die Reize des Betrachters. Durch das besonders amüsante und ausdrucksstarke Video verlocken die Audios leider nicht unbedingt zum Anhören.

USA/ Argentinien: “Now what – Argentina?”/ ¿Y ahora qué Argentina?”

Argentinien 2011 – zehn Jahre nach der schweren Wirtschaftskrise. Studierende der Universidad Católica Argentina (UCA) und der University of North Carolina (UNC) haben bei den Menschen im Land nachgefragt, wie es ihnen vor, während und nach der Krise ergangen ist.

Bewertung: Dieses Multimediaspecial erinnert stark an die mit dem Grimme Online Award 2012 ausgezeichneten Berlinfolgen. Menschen erzählen ihre persönlichen Geschichten, das ist authentisch. Und sie verleihen der Krise damit ein Gesicht. Bildlich gekonnt in Szene gesetzt.

USA: “The Souls of Athens”

Dieses Multimediaprojekt von Studierenden der Ohio University existiert bereits seit  2007. Jedes Jahr im Frühjahr erzählt der neue Jahrgang junger Journalisten (Fotografen, Filmemacher und Designer), was die Menschen in Athens bewegt. 2011 fragten sie: “Wie haben sich die Träume der Menschen verändert?” “Our dreams are different”, ist die neueste Edition dieser visuell erzählten Geschichten.

Bewertung: Das Projekt zeichnet sich durch eine hohe künstlerische Umsetzung aus. Die Bilder zu den von den Protagonisten selbst gesprochenen Texten sind mit viel Liebe fürs Detail inszeniert und ausgewählt. Durch einfaches Klicken auf der Startseite “blättert” sich der Betrachter zu den Menschen und Fragestellungen. Magazinartige Darstellung, tolle Perspektiven.

Frankreich: “Palestiniennes, mère patrie” und “Yunnan Export – The pawn strategy”


 
Absolventen der französischen Journalismus-Schule CUEJ fertigen im Rahmen ihrer Ausbildung Multimedia-Dossiers an. Hier zwei Beispiele: Verschiedenste Generationen von Frauen in Palästina im Porträt (franz.) und eine Reise durch Yunnan, eine Provinz im Südwesten Chinas (engl). Beim Besuch einer Stahlfabrik kann der Leser sich durch verschiedenste Elemente klicken, unterschiedliche Orte bereisen und einzelne Arbeiter kennenlernen.

Bewertung: Bei “Palestiennes, mères patrie” führen wenigste Klicks zum Ziel. Das Multimedia-Dossier überzeugt durch einfaches und schlichtes Design. Die Menüführung erlaubt, auch inmitten einer Geschichte zum Ausgangspunkt zurückzuspringen. Nicht so gelungen ist diese Navigation bei “Yunnan Export – the pawn strategy”: Hier führt ein versehentlicher “Backwards”-Klick wieder an den Beginn der Geschichte und der Betrachter muss von vorne beginnen. Trotzdem überzeugt auch dieses Projekt durch tolle Bilder und sympathische Geschichten.

Chile: “Buscando a Crusoe”

Eine Gruppe junger Journalismus-Studenten aus Chile und den USA reiste auf die Robinsón Crusoe Insel im südlichen Pazifik, mehr als 600 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt. Neben dem Leben auf der Insel bietet ihre Website auch ein Spiel und Informationen zur Geschichte der Insel (Piraten, Schiffe, etc.). Die Seite gibt es auch auf Englisch.

Bewertung: Ein wenig “old-fashioned” kommt dieses Multimedia-Special daher. Die Darstellung wirkt wie ein ambitionierter Versuch, die Geschichte der Seefahrt multimedial umzusetzen. Im Design überwiegen Brauntöne – das ist wenig einladend. Wer allerdings etwas Geduld mitbringt und weitersucht, kommt nach (leider sehr langen Ladezeiten) vereinzelt auch auf Interviewsequenzen mit der Inselbevölkerung.

Deutschland: “Die gleichzeitige Stadt”

Eine interaktive Reportage von Simon Kremer und Marc Röhling, den Initiatoren der Website soukmagazine.de. Dafür erstellten die beiden Journalisten eine interaktive Karte der Altstadt von Damaskus und berichten vom Wandel von Tradition und Moderne in der syrischen Hauptstadt.

Bewertung: Direkt zu Beginn kann der Betrachter wählen, in welche Gegend der Alstadt er sich bewegen möchte (übersichtlich dargestellt durch die große Karte). Auch was sich hinter den einzelnen Orten verbirgt (Foto, Audio und Video) ist deutlich gekennzeichnet. Nicht zu wenig, nicht zuviel Information. Ein rundes Projekt.

Ein Blick in den multimedialen Arbeitsalltag unserer Mitstreiter

Bleibt noch die Frage: Was machen eigentlich unsere Volo-Kollegen in Sachen “Multimedia”? Hier drei Beispiele der aktuellen Jahrgänge:

Deutschlandradio/ Deutschlandfunk: “Umsteigerland”

Von ihrer Reise berichteten die sechs Volos live auf energiewende.dradio.de

Auf der Suche nach der Energiewende waren sechs Hörfunk-Volontäre in zwei Elektroautos in Deutschland unterwegs. Während ihrer Reise posteten sie rund um die Uhr Audioreportagen, Interviews und Fotoslideshows und berichteten darüber, wie es sich anfühlt, tagtäglich an einer Elektrotanksäule festzuhängen.

Süddeutsche Zeitung: “Waffen in Deutschland” ist ein aktuelles Projekt unserer Volo-Kollegen der Süddeutschen Zeitung. Für ihren Themenschwerpunkt erstellten die Nachwuchsjournalisten auch eine interaktive Karte.

 

MDR: “Eine Reise zum Kult – der Wiederaufstieg des Trabis”

Normalerweise erstellen Volos vom MDR als Abschlussprojekt einen 15-minütigen Film. Doch weil Trimedialität ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung ist, erstellten sie diesmal eine ganze Web-Doku über die Geschichte des Trabi-Kults von 1989 bis heute.

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