Location Based* Journalism



by Marcus Bösch on 20. Dezember 2009

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“Wo?” – war schon immer eine der fundamentalen journalistischen Grundfragen. “Wo?” ist eine der eigentlich immer innerhalb der ersten Minute gestellten Fragen bei einem Telefongespräch mit Mobiltelefonen: Wo bist du gerade?

Die Frage wird in naher Zukunft für journalistische Angebote noch wichtiger werden, wenn immer mehr Menschen an immer mehr Orten mit mobilen Endgeräten das Web nutzen: Mobiler Internetzugang wird PC bis 2012 überholen.

Wissen möchte der mobile Mensch: Wo in ich? Wo sind meine Freunde? Wo sind so genannte Points of interest? Und was sind die für mich relevanten Nachrichten?

Wenn man als Medienunternehmen hier Teil der Antwort sein möchte, empfehlen sich als Teil einer Mobile Strategy (How News Organizations Can Create a Mobile-First Strategy ) maßgeschneiderte journalistische Angebote die sich am Aufenthaltsort des Nutzers orientieren. Das setzt beim klassischen Medienunternehmen und beim klassischen Journalisten des 20. Jahrhunderts ein Umdenken über Aufgaben, Arbeitsmittel und die Ausrichtung der täglichen Arbeit voraus.

Journalists will need to change how they gather, process and distribute information.
Steve Buttry

Bin ich als Nutzer zu Besuch in einer Stadt X, dann interessieren mich mitunter die aktuellen Schlagzeilen aus genau jenem Ort, die mich automatisiert erreichen. Interessiere ich mich explizit für Geschehnisse an einem ganz anderen Ort der Welt (Bsp: Erdbeben in Region Y), dann bekomme ich dedizierte Informationen über die Region, die man Dank Geo-Daten beispielsweise sehr schön auf Karten visualisieren kann. Informationen übrigens die die Frage nach dem “Wo?” bis auf zehn Meter genau beantworten.

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Seit Mai 2000 erlaubt das globale Navigationssatellitensystem GPS (Global Positioning System) – seit den 1970er Jahren vom US-Verteidigungsministerium entwickelt – laut Wikipedia eine Ortungsgenauigkeit in der Größenordnung von zehn Metern. Was das bedeutet: Ausgestattet mit einem Gerät, das einen GPS-Chip beinhaltet, kann ich meinen Ort auf diesem Planeten anhand der geographischen Breite und der geographischen Länge bestimmen. Sinnvoll für elektronische Fußfesseln, Flottenmanagement bei Verkehrsbetrieben oder eben für den Journalismus des 21. Jahrhunderts.

Im Jahr 2010 gehört ein GPS-Chip zur Standardausrüstung eines modernen Mobiltelefons. Eine genaue Ortsbestimmung dauert inzwischen nur noch etwa ein bis zwei Sekunden. Vorbei die Zeit als man mit einem S45 von Siemens minutenlang den Arm in den offenen Himmel reckte, um die nötigen drei Satelliten kontaktiert zu bekommen. Inzwischen gibt es neben dem “normalen” GPS das so genannte Assisted GPS (A-GPS).

Ein Verfahren zur Übermittlung von Hilfsdaten über ein von GPS verschiedenes Übertragungsnetz zur schnelleren GPS-Positionsbestimmung. Über eine separate Datenverbindung, z. B. ein Mobilfunknetz, wird der Empfänger mit zusätzlichen Hilfsinformationen versorgt. Wikipedia

Standortbezogene Dienste (Location Based Services) wie Brightkite, Gowalla, Foursquare oder Googles Latitude sind zum Teil bereits seit 2007 location-aware. Der Mikroblogging-Dienst Twitter zog im Herbst 2009 nach:

We’re gearing up to launch a new feature which makes Twitter truly location-aware.  A new API will allow developers to add latitude and longitude to any tweet.

Inzwischen ist es beispielsweise möglich bei Twitter alle Nachrichten von Menschen zu lesen, die sich in unmittelbarer Nähe des eigenen Standortes befinden oder die sich in der Nähe eines beliebigen Ortes (Stadt X, Region Y) befinden. Der journalistische Nutzen erschließt sich schnell. Befinde ich mich zum Beispiel auf einer Veranstaltung, Demonstration o.ä. kann ich direkt Augenzeugen und Gesprächspartner kontaktieren. Für Geschehnisse an jedem beliebigen Ort der Welt kann ich bei Twitter ebenfalls Augenzeugen finden, deren Bilder, O-Töne, Videos ich ggf. nutzen kann. Sinnvolle Lektüre: How to verify a tweet.

Über die Programmierschnittstelle (API) sind zahllose weitere Anwendungsmöglichkeiten denkbar. Eine davon: Die automatisierte visuelle Verortung von Tweets, die ggf. bestimmte Kriterien (#Hasthag) erfüllen, auf einer Karte.

We can only begin to imagine the possible use of location-specific information. Think back to your first cell phone. You could see that it gave you mobility, but you didn´t imagine all the ways you are using it today. Steve Buttry

*Standortbezogene Dienste (engl. Location Based Services (LBS)  sind mobile Dienste, die unter Zuhilfenahme von positions-, zeit- und personenabhängigen Daten dem Endbenutzer selektive Informationen bereitstellen oder Dienste anderer Art erbringen. Wikipedia

LINKS

Wo bin ich?
 GPS Visualizer’s Quick Geocoder. Find the latitude and longitude of an address

.

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Thomas Television Dezember 21, 2009 um 02:13

Ja, da bekommt das Wort “Lokaljournalismus” in der Tat eine ganz neue Bedeutung.

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