Living Stories – News im 21. Jahrhundert

by Marcus Bösch on 8. Dezember 2009

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Dieses Konzept gibt es so derzeit noch nicht und stellt daher die Online-News vor völlig neue Maßstäbe. (GoogleWatchBlog)

Ich hab das zuerst bei Twitter gesehen. Google präsentiert: A New Way to Present News. Das heißt ja zunächst mal nicht viel. Google unterhält derzeit eine ganze Menge Projekte und launcht nahezu bald täglich irgendetwas (meist revolutionär) Neues.

Die Partner des im Google Lab befindlichen Projekts sind allerdings nicht irgendwer. Die New York Times und die Washington Post sind bei Living Stories mit dabei. Google hält (noch) daran fest: We’re not journalists and we don’t create content.

Damit übererfüllt Google nicht nur Jeff Jarvis‘ Regel “Do what you do best, link to the Rest” – sondern beweist gleichzeitig – mal wieder – ein extremes Gespür für (bald) akute Probleme und Wünsche von Usern und präsentiert gleichzeitig eine optisch schlichte aber mit den richtigen Ideen gespickte Lösung.

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Noch eine dieser zentralen Weisheiten im Moment ist Clay Shirkys Sentenz “It´s not information overload. It´s Filter Failure. Nimmt man Jarvis und Schirkys Leitsätze zusammen, mischt noch ein bisschen Echtzeit-Web, Multimedia und sinnvollen technischen Hokus-Pokus zusammen, dann hat man mit Living Stories nicht nur eine sprachlich schönere Umschreibung der bislang unter dem Schlagwort Process Jounalism bekannten neuen journalistischen Berichtsform, sondern vielleicht sogar das was Internetnutzer wollen und was unzählige Medienanbieter täglich versuchen: Eine laufend aktuelle, umfassende und tiefgreifende Berichterstattung über relevante Themen der Zeit, inkl. aller Protagonisten, einer zeitlicher Einordnung, Zahlen, Daten und Fakten. Zu finden unter einer einzigen URL.

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Nebenbei löst Google ein zentrales Problem aller Online-Medien mit einem recht einfachen Geniestreich: Information from prior coverage is often repeated with each new online article, and the same article is presented to everyone regardless of whether they already read it. Was tut man also, man reagiert auf jeden einzelnen User und schaltet alle Texte grau, die der jeweilige User beim letzten Besuch bereits gelesen hat. Das ist komfortabel, setzt allerdings einen Google-Account voraus. Und was das bedeuten kann, hat Christian Stöcker recht anschaulich im Kommentar Google will die Weltherrschaft notiert.

Jörg Wittkewitz schreibt in seinem Blog, dass Google mit seiner visuellen Suche zwei Jahre vor dem Wettbewerb sei. Ähnliches mag für Living Stories gelten. Während sich in deutschen Medien erst sehr langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass Portale wie wir sie bislang kannten nicht die Zukunft sein werden und die Erfahrungen/Versuche mit Social Media noch meistens ganz am Anfang sind, gewährt Google einen Blick auf den Prototypen einer mögliche Zukunft der Nachrichten im Netz. Schade, dass dieser nicht von irgendeinem Medienanbieter selbst stammt.

We’re also looking to develop openly available tools that could aid news organizations in the creation of these pages or at least in some of the features.

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