Mein Social Circle und ich

by Marcus Bösch on 28. Oktober 2009

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Die Idee ist einfach und gut und nicht neu. Wenn ich bestimmte Informationen suche, dann frage ich Freunde, Bekannte oder Freunde von Bekannten oder empfohlene Bekannte von Bekannten usw. Wenn mein Auto kaputt ist, dann frage ich den Automonteur bei dem der Vater meiner Freundin sein Auto immer reparieren lässt. Das Problem dabei: Es schlummert sehr sehr viel ungenutztes Potential in diesem Netz. Schließlich habe ich keine Ahnung, dass die Schwester eines Bekannten den Gasanschluss in der Küche sehr gerne und vollkommen kostenlos installiert hätte. Einzig: Ich wusste nicht mal, dass der Bekannte eine Schwester hat. So. Und jetzt zu Google.

Da testet man – neben wahrscheinlich 27.000 Ideen – die Google Social Search. Ergänzend zu “ganz normalen” Suchergebnissen, findet man in einer eigenen kleinen Rubrik am Seitenende explizite Informationen aus dem so genannten Social Circle. Und so würde ich wahrscheinlich auch auf die Schwester mit dem Gasanschluss-Hobby stoßen. Voila!

So what is Google Social Search? It’s a way that Google figures out people you trust, then ensures that you see content from them showing up in your search results

Hört sich an wie ein nettes Feature? Es ist mehr als das. Es ist mächtig. Und es ist ein wichtiger Teil der Zukunft im Internet. Denn bei immer größeren Datenmengen werden immer bessere Datenfilter nötig. Der beste Informationsfilter ist ein variables Netz von Menschen, dem eigenen Social Circle eben.

People will listen more to other people than to traditional sources. Google CEO Eric Schmidt

Menschen haben im Gegensatz zu Maschinen (z.B. Newsaggregatoren) den Vorteil, dass sie subjektiv, parteiisch und authentisch sind. Egal übrigens ob man diese Menschen seit 20 Jahren persönlich kennt oder Ihnen seit ein paar Tagen bei Twitter folgt. Die Grundlage dieser Beziehungen ist Vertrauen. Wem man vertraut, muss man selber – immer wieder – herausfinden. Jeder Social Circle ist einzigartig, persönlich und ein sich beständig fortentwickelndes System. Der Social Circle garantiert, dass “die Nachricht mich findet“.

In diesem Zusammenhang ist es gerade für Medienunternehmen wichtig und zentral in der allgemeinen Gemengelage als Teil eines Social Circle wahrgenommen zu werden. Nötig sind Interaktion, Authentizität, Transparenz und Glaubwürdigkeit. Wer sich als Medienanbieter ausschließlich außerhalb web-basierter sozialer Zirkel bewegt, der hat auf dem digitalen fragmentierten (Nahezu-) Echtzeit-Nachrichtenmarkt wenig Chancen.

Erst wenn ich als (klassischer) Medienanbieter als gleichwertiger, intelligenter Partner im Internet wahrgenommen werde, erst dann qualifiziere ich mich im Web 2.0 als ernstzunehmender Akteur. Einem Akteur dem man bisweilen so vertraut, dass man mit ihm in einen (gleichwertigen) Dialog tritt. Diese Qualifikation und ein stetes Vertrauen ermöglichen zum Beispiel Crowdsourcing-Projekte des Guardian. Vertrauensverhältnisse sind ein fragiles Gut und die Zyklen im Netz sind kurz (Man werfe einen Blick auf die Entwicklung von Myspace versus Facebook).

Ein netter kleiner Dienst der den Mehrwert des eigenen Social Circle bei Twitter aufzeigt: Twittertime.es – Eine Art Online-Zeitung die sich aus Content zusammensetzt, der vom Social Circle generiert wurde.

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