Wissenschaft entdeckt Datenjournalismus

by Steffen Leidel on 17. Januar 2013

Die Sozialwissenschaften können vom Datenjournalismus profitieren und umkehrt. Davon ist man am Institut für Politikwissenschaften der Universität Zürich überzeugt. Ab Herbst 2013 können Studierende im Masterstudiengang Politikwissenschaft den Studienschwerpunkt Datenjournalismus wählen. Institutsleiter Fabrizio Gilardi glaubt, dass die Absolventen dadurch nicht nur besser für eine journalistische Karriere qualifiziert werden. Er hofft außerdem, dass künftig auch die Wissenschaft datenjournalistische Techniken nutzt, um Forschungsergebnisse attraktiver zu präsentieren.

Herr Gilardi, warum starten Sie den Studienschwerpunkt Datenjournalismus?

Das Studium der Politikwissenschaften vermittelt Kenntnisse, die nicht so weit weg sind vom Datenjournalismus. Unsere Studierenden lernen ohnehin, wie sie Daten analysieren und auswerten können. Viele dieser Methoden sind auch im Datenjournalismus anwendbar. Andererseits gibt es im Datenjournalismus neue Techniken wie Web-Scraping, Data-Mining oder die Datenvisualisierung, die von den Sozialwissenschaften bislang noch nicht abgedeckt wurden. Insofern glauben wir, dass Datenjournalismus hier einen Mehrwert bieten kann.

Können auch Journalisten, die datenjournalistisch arbeiten, von den Sozialwissenschaften profitieren?

Auf jeden Fall! Es gibt bei uns ja ein großes Fachwissen zu politikwissenschaftlichen Theorien. Das ist etwas, was man im politischen Datenjournalismus braucht. Die sozialwissenschaftliche Seite ist dort aber nicht immer vertreten. Unsere Stärke als Sozialwissenschaftler liegt auch in der Vermittlung von Analysetechniken. Also immer wenn es darum geht, in den Daten komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Im Journalismus werden Informationen aber oft rein deskriptiv dargestellt. Häufig werden die Befunde der Sozialwissenschaften dabei leider nicht genügend berücksichtigt.

Wie kann das besser werden?

Wir Wissenschaftler sind daran zum Teil auch selbst Schuld. Wir kommunizieren unsere Forschungsergebnisse oft einfach nicht attraktiv genug. Hier können wir Wissenschaftler vom Datenjournalismus profitieren. Er hilft uns, unsere Forschung besser zu kommunizieren, schmackhafter zu machen. Dieser Studienschwerpunkt ist die Gelegenheit, Wissenschaft und Journalismus zusammenzubringen. Wir haben alle etwas zu gewinnen.

Ist das der erste Studienschwerpunkt zu Datenjournalismus?

Es gibt Journalismusstudiengänge, die das Thema Datenjournalismus behandeln. Meines Wissens sind wir aber international der erste politikwissenschaftliche Studiengang, der Datenjournalismus als Studienschwerpunkt anbietet.

Gibt es praktische Anteile?

Ja, die Studierenden sollen in mehreren Forschungsarbeiten die Kenntnisse auch praktisch anwenden. Außerdem werden sie in mehreren Medien Praktika absolvieren können.

Fabrizio Gilardi ist seit August 2008 Professor für Policy-Analyse am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich

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