Drohnenjournalismus

by Marcus Bösch on 12. Januar 2012

Der Journalismus hat sich im Laufe seiner mehr als 2000 Jahre währenden Geschichte jeweils der neuesten Technologien bedient. Das ist der erste Satz im Wikipedia-Eintrag „Geschichte des Journalismus“. Was da nicht steht: Es hat meist immer etwas länger gedauert und die allermeisten Journalisten hatten keine sonderlich große Lust auf technologische Veränderungen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass unbemannte Luftfahrzeuge noch keinen Einzug in deutsche Redaktionen gefunden haben.

Fliegen, Filmen, Veröffentlichen – in HD

In den letzten zehn Jahren haben unbemannte Luftfahrzeuge, auch Drohnen genannt, ihren Weg aus militärischen Labors in den Elektromarkt nebenan gefunden. 1998 nutzte die Bundeswehr  im Kosovo-Konflikt Drohnen. Heute kann jeder für rund 300 Euro einen so genannten Quadrocopter kaufen, den man über ein iPhone steuern kann. So eine Quadrocopter fliegt zwar nur etwa 10 Minuten lang, dafür eingebaut sind zwei Kameras mit Front- und Bodenansicht. Die neuste Generation der A.R. Drone streamt die Filmaufnahmen der integrierten HD Kamera mit 720p auf das Steuergerät (iPhone / iPad).

Das ist eine Werbevideo der Firma Parrot. Sie wird u.a. in den Amazon-Kundenrezensionen gescholten, mit den Produktvideos eine zu hohe Erwartungshaltung aufzubauen. Die Steuerung und Handhabung der Drohne ist im echten Leben offenbar komplexer und fehleranfälliger. Dafür kann der gemeine Prosument ab jetzt erstaunliche HD-Videos drehen.

Für Aufmerksamkeit gesorgt haben die Aufnahmen einer polnischen Demonstration im November 2011. Der Drohnen-Journalismus ist da, titelte Robert Mackey im Lede-Blog der New York Times über die Aufnahmen, die die polnische Firma mit dem schönen Namen Robokopter ins Netz gestellt hatte. Angefertigt übrigens mit einer etwas teureren und besseren Drohne als dem Ding aus dem Elektromarkt.

Umschlingen Sie neue Technologien

Kaum drei Wochen später startete Professor Matt Waite von der University of Journalism and Mass Communicationa in Nebraska das so genannte Drone Journalism Lab - „as a way to explore how drones could be used for reporting.“ Waite ist – so steht es auf der Institutsseite – Professor of Practice und er macht seinem Namen alle Ehre. Gekauft hat er eine A.R. Drone, die er inzwischen mit einer  GoPro HD Kamera ausgestattet hat. Die Ergebnisse sind noch weit davon entfernt super zu sein, aber Waite hat ein „Embrace new Technologies“ auf jeden Fall verinnerlicht.

Komisch, dass deutsche Journalisten und Redaktionen sich nicht sonderlich für die Technologie zu begeistern scheinen. So berichtet Harald Staun im Sommer 2011 in der FAS ausführlich über den „Journalismus von oben“, stellt fest, dass „die Mini-Drohnen als fliegende Paparazzi wie geschaffen für die Recherchemethoden des Boulevardjournalismus“ seien und konstatiert richtig: „Es gibt sie im Elektromarkt, aber im Journalismus sind sie noch nicht angekommen.“ Zuständig fühlt man sich offenbar nicht. Dabei können Drohnen im Journalismus mehr als Boulevard.

Rupert Murdochs im Februar 2011 gestartetes iPad-Experiment The Daily  nutzte im vergangenen Jahr Drohnen zur Flut-Berichterstattung und bekam prompt Ärger mit der amerikanischen FAA (Federal Aviation Administration), denn „civil and commercial use is limited to research and development.“ Die FAA wiederum rückt noch nicht so recht mit Informationen raus wer da eigentlich alles so unbemannt über die USA fliegt. Die Electronic Frontier Foundation hat am 10. Januar 2012 Klage eingereicht.

Damit ist die Debatte eröffnet, denn neben der zweifelsohne sinnvollen Nutzung von Drohnen bei der Wartung von Windrädern oder der Überwachung von brennenden Wäldern, verletzten mit Kameras ausgestattete Fluggeräte natürlich gerne auch mal die Privatsphäre. War ich als Celebrity in meinem Loft im 26. Stock auch ohne Gardinen vor Paparazzi relativ sicher, so schaut mir jetzt bald vielleicht die Drohne mit Video-Livestream durch das Fenster. Mit seinem Drone Journalism Lab will Waite auch dringende  ethische und moralische Fragen des Drohnenjournalismus beantworten.

Fliegende Teleobjektive

Nachdem die deutsche Polizei bei Castor-Transporten bereits 2010 Drohnen zur Überwachung eingesetzt hat, soll übrigens ein neuer Gesetzentwurf die zivile Nutzung von Drohnen in Deutschland klären. Währenddessen diskutiert man anderswo die mögliche zukünftige Grenzüberwachung der EU mittels Drohnen (EU will mehr Drohnen gegen Migranten einsetzen), plant die britische Regierung eine Drohnenoffensive zur Olympiade 2012, forschen Wissenschaftler über mögliche Einsatzgebiete, beschäftigen sich Juristen mit der völkerrechtlichen Einhegnung militärischer Drohnen während die US-Regierung ihre neue Verteidigungsstrategie klar auf Drohnen auslegt, überlegen Architekten wie man mit Drohnen in Zukunft Häuser bauen kann, basteln Bastler an ausgeklügelten Privatdrohnen, gibt es eine Weltmeisterschaft im Drohnenfliegen und Unternehmer bieten ihre Dienste inkl. Leihdrohnen an.

Auch deutsche Journalisten sollten sich vielleicht ein wenig aktiver, experimentierfreudiger und zukunftszugewandter mit Drohnen auseinandersetzen. Die Schweizer Kollegen nutzen sie gerade bei der Sportberichterstattung.

{Disclaimer: Zusammen mit Lorenz Matzat habe ich Anfang des Jahres die Site Drohnenjournalismus als ersten Ausgangspunkt für die weitere Beschäftigung gestartet. Derzeit arbeite ich an einem drohnenbasierten Serious Game für die Landeszentrale für politische Bildung NRW und  - ‘Nein!’ eine eigene Drohne habe ich noch nicht, mit Betonung auf noch!}

Kleiner Hörtipp noch: In der Sendung Breitband des Deutschlandradios gab es Mitte Dezember einen kurzen Beitrag zum Thema “Fliegende Teleobjektive für Journalisten” und ein Audio-Interview mit Matt Waite.

Kleines Update – Gerade eben gesehen: Eine tägliche Ration Drohne bei Paper.li

UPDATE: Gemeinsam mit dem Datenjournalisten Lorenz Matzat betreibe ich nun seit einiger Zeit die Website Drohnenjournalismus.de

 

{ 24 comments… read them below or add one }

leser Januar 12, 2012 um 22:12

genau. laßt uns einfach journis dazu aufrufen, drohnen ab jetzt voll spannend zu finden, damit sich später bloß keiner wundert, wenn nach dem einklinken der plötzliche blackout kommt.

oh achja und nicht vergessen, den zimmerfliegen-aufruf vorab zu verpassen, der nächste erfinder mit der lautlosen zimmerfliege ist schon auf dem weg zum abschluss, kann nicht mehr lange dauern. die mordsgefährtlichen zigtausend antinazi-blockierer können dann ausgekundschaftet werden, damit man bei dem hier http://www.heise.de/tp/artikel/34/34000/1.html auch mal etwas vorankommt und dass nebenbei die privatlebenbeobachtung mindestens so toll investigative gefährten wie den diekmann interessieren werden, ist von vornherein keine frage.

Alleks Januar 13, 2012 um 09:45

Big Brother, anyone?

Markus Hoffmann Januar 13, 2012 um 10:12

“Komisch, dass deutsche Journalisten und Redaktionen sich nicht sonderlich für die Technologie zu begeistern scheinen.”?! “Komisch”?! Gott sei Dank! Ihre nerdige Technikgläubigkeit ist an Puerilismus wirklich schwer zu überbieten. Mal abgesehen von allen juristischen Spitzfindigkeiten, mal abgesehen von Stichworten wie “Totale Überwachung”: Haben Sie sich Ihre ach so innovativen Filmschnipsel mal angesehen? Minutenlange Überflüge über Polizeiformationen, Katastrophengebietspeepschow für Schaulustige und Gaffer, Sportberichte mit motion sickness-Garantie… was soll daran wohl so toll sei?

Horst Januar 13, 2012 um 10:24

Warum sie sich nicht dafür interessieren? Ganz einfach: Es ist nicht erlaubt.

Selbst die Polizei darf keine Drohnen über Menschen fliegen lassen. Gab es mal einen Bericht drüber. Polizei hatte sich eine Kameradrohne angeschafft, hatte sogar EINEN “Spezialisten” der sie bedienen durfte. Nur verwenden durften sie sie nicht, außer sie wollten gerne leere Parkplätze in niedriger Höhe überwachen. Keine Verwendungeszwecke wurden gefunden, Projekt eingestampft.

Es ist und bleibt billiger einen Hort mit Kamera und Teleobjektiv auf ein Dach zu platzieren als ein teure Drohne über Menschen schweben zu lassen und das Risiko einer üblen Klage einzugehen, sollte das Ding in die Menge stürzen…

theo Januar 13, 2012 um 10:29

Und wozu bitte sollen Journalisten diese Aufnahmen nutzen? Herrje, die Begeisterung für Spielgeräte allein kann es ja wohl nicht sein. Ein leiser Windhauch, und die Kiste wackelt wie verrückt.

Marcus Bösch Januar 13, 2012 um 11:01

Danke für die Kommentare. Hier hab ich gerade den Begriff Puerilismus gelernt. “In der Kulturwissenschaft verwendet Johan Huizinga den Begriff Puerilismus für von ihm als infantil eingeordnetes Verhalten Erwachsener in der Moderne.” Was am Einsatz von Drohnen infantil sein soll, erschließt sich mir leider nicht.

Die Hinweise, dass vermeintliche Spielgeräte schlechte Qualität liefern bedient eine Sehnsucht nach professionellen Lösungen in wenigen Händen und passt meiner Ansicht nicht mehr in die Zeit. Auch ein iPhone mag zum Spielen genutzt werden, ich kann damit aber auch ein Video aufnehmen, das dann in der Tagesschau läuft.

Der rührende Hinweis, dass Journalisten sich für etwas nicht interessieren, weil es nicht erlaubt sei, ist mit Blick auf die Telefonabhörskandale in Großbritannien ein bisschen komisch.

Das Thema Drohnen ist erstens bereits Realität und zweitens befinden wir uns – mal wieder – relativ am Anfang. Das kann man alles gut oder schlecht finden, man kann es aber nicht wegdiskutieren.

Ethische und moralische Fragen drängen sich auf, die sollten beantwortet werden. Und das geht nur durch eine Auseinandersetzung mit der Thematik. Die sollte ein bisschen gründlicher sein, als der Hinweis auf einen Bericht “den es mal gab”.

vulcannonibird Januar 13, 2012 um 11:53

IMO wird Boulevard der Haupeinsatzort bleiben. Einfach mal bei “Brangelina” über den 5-Meter-Zaun lugen. Das Risiko ist natürlich das hinterm Zaun einer mit Steinen die Drohne abschiesst…

Nils Januar 13, 2012 um 12:29

“Der rührende Hinweis, dass Journalisten sich für etwas nicht interessieren, weil es nicht erlaubt sei, ist mit Blick auf die Telefonabhörskandale in Großbritannien ein bisschen komisch.”

Hat ja auch überaus positive Konsequenzen für alle Beteiligten gehabt. Oder was willst du damit jetzt argumentativ unterstreichen?

Torsten Januar 13, 2012 um 14:19

Marcus Bösch: Irgendwie fehlt mir der Punkt, was denn Journalisten mit den tollen Drohnen machen können? Sicher wird es in einigen sehr kleinen Nischen, sehr spannende Anwendungen geben, vom Naturfotografen bis hin zur Krisenberichterstattung. Aber wie viele Journalisten sind in diesen Feldern tätig? Und wie sollten diese breit gestreuten Einzelanwendungen einen übergeordneten “Drohnenjournalismus” begründen, der mehr gemein hat als ein Werkzeug?

theo Januar 13, 2012 um 14:31

@Marcus:

“ich kann damit aber auch ein Video aufnehmen, das dann in der Tagesschau läuft.”

Aber was sollte der Inhalt, was sollte der Gegenstand des Drohnenfilms sein? Luftaufnahme einer Demo? Luftaufnahme Schloss Bellevue?

Die Tagesschau mag sicher nicht besonderen Wert auf gute Kameraführung legen, aber ob Wackelbildchen dort ihren Platz finden, sofern sie nichts Spektakuläres bieten, wage ich zu bezweifeln.

Am besten, du würdest deinen Lesern hier mal ein paar Beispiele aus der jüngsten Zeit nennen, wo Drohnen aus deiner Sicht “tagesschau-würdig” gewesen wären.

Robert Januar 13, 2012 um 15:02

Mit Blick auf den Einsatz von Drohnen auf Demonstrationen gehe ich mal davon aus, dass die Einsatzkräfte der Polizei – je nach politischer Verfassung und Demokratieverständnis des jeweiligen Staates – sich relativ schnell eine Art “Abschussgenehmigung” für solche fliegenden Kameras besorgen werden. Wer möchte beim wahllosen “knüppeln” schon gerne von oben beobachtet werden…?

Marcus Bösch Januar 13, 2012 um 16:55

@Nils Hier noch mal der Verweis auf den ersten Satz des Artikels “Der Journalismus hat sich im Laufe seiner mehr als 2000 Jahre währenden Geschichte jeweils der neuesten Technologien bedient.” Meiner Ansicht nach wird das – und das ist jetzt sehr verkürzt – was technisch geht bzw. möglich ist, früher oder später auch in irgendeiner Form gemacht, wenn es einen Mehrwert liefert. Was mir in der Diskussion fehlt ist ein Wegkommen von dieser unglaublichen Gegenwartszentristik. Nur weil jetzt gerade nicht jeder eine Drohne nutzt, muss das nicht heißen, dass es nicht vielleicht so oder so oder so kommen kann.

@Torsten Absolut. Das hier ist auch kein Drohnenmanifest, sondern ein Sammeln des Status Quo und eine erste Reflektion des Ganzen. Wenn sich keine sinnvollen Einsatzszenarios finden lassen, dann lässt man es eben. Aber vielleicht gibt es ja welche. Wo ist die Experimentierfreude? Der Begriff bündelt und polarisiert offenbar, deshalb ist er jetzt gerade nützlich und natürlich genauso temporär wie etwa “Mobile Reporting”….

@theo Wie gesagt, das hier ist ein erstes Sammeln, Spekulieren und Anregen zum Ausprobieren. Hier geht es nicht darum Irgendwen zu überzeugen oder Irgendwas zu verkaufen. In nahezu jedem Fußballstadion hängen inzwischen diverse Kameras an Drahtseilen über dem Platz. Drohnen lassen sich in der Sportberichterstattung hier sicher bestimmt ebenfalls sinnvoll einsetzen. Tour de France. Marathon. Stabhochsprung! Das Schweizer Fernsehen hat damit gerade bei einem Ski-Rennen experimentiert. Braucht man das? Nein. Man kann auch am nächsten Tag einen Zeitungsbericht darüber lesen.

@Robert Das ist ein Thema, das man mal mit einem Juristen diskutieren müsste. Auf der anderen Seite kostet so eine einfache Drohne ein paar hundert Euro. Auf eine mehr oder weniger kommt es da wohl nicht an, wenn man exklusiv zum Beispiel Bilder aus einem Kriegsgebiet verkaufen kann oder diese live streamt…

Tom Stein Januar 13, 2012 um 19:20

Aha, also in der Vergangenheit wurde von Journalisten die neueste Technologie genutzt, wenn diese einen Mehrwert lieferte. Bleibt id mehrfach gestellte Frage: Welchen Mehrwert liefern Drohnen? Die Antwort lautet zusammengefasst: Wenig. Und den auch noch meistens illegal.
Also stimmt die Antwort an Torsten: Dann läßt man es eben. Aber warum wundert sich dann der Artikel, dass man es läßt?
Bleibt noch die Sache mit dem Kriegsgebiet. Da fährt also ein angeblicher Journalist mit einem Aufklärungsgerät zum Einsatzort. Das könnte man leicht missverstehen. Oder das Ding fliegt schon – hängt dann da ein langes Banner dran “Presse”? Oder schießt jeder auf das Ding, das man eher dem Gegner als dem ZDF zuordnet? Und wieder die Frage: Welchen Mehrwert bieten diese Gefahren dem Journalisten?
Tja, dann läßt man es eben. Und ignoriert diesen Artikel. Viele Journalisten haben sich ja nicht mit Vorschlägen zum Mehrwert geäußert…

Tom

theo Januar 13, 2012 um 20:57

@Marcus:

Die von dir genannten Beispiele im Sport taugen nichts. Die Spidercam in Fußballarenen liefert stabile Bilder, weil sie an Seilen geführt wird und eine sehr gute Optik mitführt. Zudem ist die Kameraführung fernsteuerbar. Die Drohne kannst du entweder mit Flipcams/GoPros bestücken oder mit videotauglichen Fotoapparaten. Flips/Gopros kannst du nicht fernsteuern, die Digi-Cams sind nicht zoomtauglich. So oder so liefert das nur stabile Bilder, wenn du nahezu Windstille hast. Die wirst du weder bei Tour de France noch bei Marathon oder anderen Outdoor-Events haben. Allnfalls für wenige Sekunden, deswegen bestenfalls als kleines Ü-Ei gedacht.

Es gibt nur wenige Dronen-Spezialkonstruktionen, die bei schwachem Wind halbwegs beherrschbar sind. Dazu braucht es Leute, die solche Dinger auch gut steuern können. Das lernt man nicht in einer Woche. Wer solche Drohnen-Spezialisten samt Fluggerät mieten will, zahlt dafür 2500 Euro aufwärts pro Tag.

Man darf sich von so manchen Drohnen-Filmchen bei youtube nicht blenden lassen. Da sind unzählige Stunden verflogen worden, aus denen die Highlights heraus gearbeitet wurden.

Die Drohne ist nichts fürs normale Journalisten-Geschäft, sofern man nicht mit verwackelten Bildern leben möchte. Gerade aber bei technisch unsauberen Filmen braucht es einen wirklich relevanten Inhalt.

Die Drohne ist zu leicht. Das ist ihr Vorteil. Und, wenn es um Bild-Stabilität/-qualität geht, ihr Nachteil.

Sie mag ein Gimmick sein, den man hin und wieder bei erwartbaren Ereignissen (Bürgermeister eröffnet Teilstück einer Landstraße) einsetzen könnte. Das kann dann ein Lokalblatt als eigenes Mini-Video anbieten. Aber dafür der ganze Aufwand?

Bernd Hohmann Januar 13, 2012 um 21:43

@theo:

Es gibt da noch mehr Probleme.

Weil mir die Berichterstattung über die angeblich so unkomplizierten Drohnen mit ihren sensationellen Möglichkeiten auf den Sack geht, hab ich mal das Wesentlichste zusammengefasst.

http://blog.harddiskcafe.de/?p=2893

Bernd

Marcus Bösch Januar 14, 2012 um 10:05

@Bernd Danke für das zusätzliche Posting!! Dazu nur kurz drei Anmerkungen: Hast Du die A.R.Drone 2.0 denn schon mal aktiv in der Hand gehabt? Das Werbevideo oben (das sicherlich so nicht in der Realität eins-zu-eins nachmachbar ist) bezieht sich auf die neue Version des Parrot-Quadrocpoters und wurde erst gerade eben bei der CES vorgestellt. Zum Einsatz bei Großveranstaltungen: Sowohl die deutsche Polizei als auch das Fraunhofer Institut haben Drohnen (keine aus dem Elektromarkt!) bei Veranstaltungen über Menschen eingesetzt. Und noch mal: Ich sage ja gar nicht, dass Drohnenjournalismus flächendeckend Einsatz finden wird und ich verstehe auch Kritik an gehypten Spielzeugen, aber genau wie der inzwischen überall akzeptierte Einsatz von Google Maps in allen audiovisuellen Medien, bin ich mir sicher, dass wir schon bald Aufnahmen von Drohnen sehen werden – und sei es als zusätzliches Eye-Candy. Es lohnt sich bestimmt http://diydrones.com/ im Blick zu behalten…

@Theo Das Schweizer Fernsehen hat aber doch gerade Drohnenbilder bei einem Ski-Rennen verwendet?! Und wer um alles in der Welt weiß, wie sich die Technologie entwickelt. Mit einem Mobiltelefon konnte ich vor zehn Jahren auch nur telefonieren und SMS schreiben. Ich sage ja nicht Drohnen werden die Probleme der Welt lösen, aber wenn sie zur Grenzüberwachung, von Umweltschützern die Walfänger auf dem (windigen) Meer beobachten und – vielleicht in mittelferner Zukunft – zum Bauen von Häusern benutzt werden, ist es für mich schwer vorstellbar warum man damit nicht Journalismus betreiben sollte. Time will tell. Und solange können wir uns jadarauf einigen, dass wir erstens hauptsächlich theoretische Kenntnisse haben und zweitens unterschiedlicher Meinung über die Zukunft sind ;)

theo Januar 14, 2012 um 10:42

Marcus,

mit dem Hinweis auf eventuelle künftige technische Fortschritte hast du dir selbst die Frage beantwortet, warum die meisten Journalisten sich aktuell nicht mit dem Thema beschäftigen. Es wäre auch etwas viel verlangt, wenn Journalisten sich heute den Kopf darüber zerbrechen würden, ob sie in zehn Jahren zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten haben könnten. Wer halbwegs technikaffin ist, weiß, dass so etwas nicht planbar ist.

Ich verstehe deine Begeisterung für Drohnen, mir ging es zuerst auch so. Je mehr man sich aber wirklich mit dem Thema beschäftigt, je nüchterner wird man. Man könnte auch sagen: dir fehlt zum Thema Drohne noch etwas die Bodenhaftung. ;-)

Johannes Januar 14, 2012 um 17:30

Immer wieder überraschend, mit was für einer Naivität hier Kritik am eigentlichen Kommentar abgeliefert wird. Wer sich mal anschaut, was mit den derzeitigen High-Tech Drohnen aus dem Militär möglich ist, sollte sich als Journalist rechtzeitig überlegen, welche Möglichkeiten sich ihm damit bieten.
Selbstverständlich kann sich kein Journalist eine professionelle Drohne für mehrere hundertausend Euro leisten. Aber man sollte nicht vergessen, dass schon jetzt in der Tagesschau Bilder von Drohnen übertragen werden (Afghanistan, Irak ).
Auch wenn die jetzigen und erschwinglichen Drohnen noch wenig Einsatzmöglichkeiten ist, klar ist: In den nächsten Jahren werden diese extrem zunehmen. Auch die Kamera hatte ursprünglich nur ein sehr begrenztes Einsatzgebiet, mit den den Drohen wird es nicht anders sein.

Und womit der Autor auch unbestritten Recht hat ist, dass es schon jetzt einige Einsatzmöglichkeiten für Drohnen gibt. Und das Drohnen in der Preisklasse zwischen 1000 € und 2000 € einiges mehr können als die hier angesprochene Drohne und dabei noch weitaus billiger sind als eine richtig professionelle Kamera ist auch eine Tatsache.

Bernd Hohmann Januar 14, 2012 um 21:59

@Marcus

Ich habe die A.R.Drone 2.0 natürlich nicht in der Hand gehabt, mir aber die Specs durchgelesen. Keine Chance, dass dieses Gerät bei bisserl Wind Ortsstabil ist – als Pilot ist man dort ständig damit beschäftigt, an der Steuerung herumzurühren.

Wenn der Flug dann ordentlich aus dem Ruder gelaufen ist und der (erfahrene Pilot) das Modell wieder rettet, wir das dann im Extremfall als “Kunstflugfähigkeit” in der Werbung annonciert und im Video entsprechend zusammengeschnitten.

Und natürlich kann man eine Multikopter-Drohne auch über Menschenmengen einsetzen sofern irgendjemand vom “Hersteller” sagt ‘Da kann nichts passieren’ und jemand vom “Ordnungsamt” das glaubt, die Freigabe erteilt und eine Versicherung das Risiko hoffentlich übernimmt.

Als erfahrender Pilot eines solchen Gerätes würde ich selbst eine hochgezüchtete, vielfach erprobte Drohne nur mit viel Widerstand über dem Windecker Weihnachtsmarkt (ständig Turbulenzen, schlechtes GPS) einsetzen – das Risiko, dass sich die Kiste trotz aller Vorsicht irgendwo unsachgemäss verhält und Menschenschaden anrichtet wäre mir zu gross.

Defacto sind nämlich alle existierenden Drohnen (egal ob Flug-, Heli- oder Multikopter) eher als Experimentalmodelle anzusehen. Die Verkabelung ist nach besten (Ge-)Wissen durchgeführt in der Hoffnung, dass nirgendwo was durchscheuert oder sich eine Lötung verabschiedet. Der eine Hersteller mag das besser lösen als der andere, eine verbindliche TüV Prüfung für alle kommerziellen Drohnen gibt es noch nicht – zum Glück, sonst wäre die Branche sofort tot.

Bernd

Axel van Bergen Januar 16, 2012 um 07:02

“[...] dafür eingebaut sind [...]” – gibt es das auch auf Deutsch?

Sven Ruhland Januar 16, 2012 um 18:40

@Bernd Hohmann

„Marcus Bösch stellt sich in seinem Artikel der Frage, warum deutsche Journalisten und Redaktionen sich nicht sonderlich für die Technologie der Drohnen zu begeistern scheinen. Ich beschäftige mich schon länger mit Drohnen und ihren möglichen Einsatzgebieten im Journalismus. Die Frage des Kollegen Bösch ist schon berechtigt – in der Werbung sieht das ja alles ganz einfach aus. In der Realität hingegen…“

Für einen Journalisten ist es auch imho weder realistisch noch wirtschaftlich SELBST mit einer Drohne journalistische Glanzleistungen zu produzieren. Auch eine kosteneffektive Nutzung solcher Fluggeräte ist derzeit äußert schwierig.

Wieso glaubt der Journalist alles SELBST machen zu müssen?

Wir machen doch auch keine Fluglizenz nur weil wir unseren Urlaub heute in Australien und morgen in Spanien verbringen möchten.

Wenn jeder meint selbst fliegen zu können, wozu dann noch Fluggesellschaften?

Das Produkt ist nur scheinbar (wie oft schon beschrieben) für Jedermann gemacht. Wir haben mittlerweile über 4 Jahre in Entwicklung, Produktion und Sicherheit investiert, und sind erst seit einem Jahr in der Lage auch einem journalistischen Anspruch zu genügen.

Fazit: Die journalistische als auch die redaktionelle Begeisterung für die Technologie der Drohnen werden mit Sicherheit steigen. Und: Sofern man sich mit professionellen Unternehmen arrangiert, die sich in diesen Bereichen auskennen, wird auch ein vernünftiges Ergebnis erzielt werden!

Nur die Vielzahl unserer Aufträge aus dem journalistischen aber vielmehr aus dem wirtschaftlichen Bereich haben uns eine kosteneffektive Nutzung ermöglicht. Wollt ihr da auch erst durch? Partizipiert doch einfach von unseren Erfahrungen!

Gruß Sven (Team http://www.helicontrol.de/ )

Bernd Hohmann Januar 17, 2012 um 17:37

@Sven:

Mal böse gesagt: Dem Journalisten irgendwo an einem der Brennpunkte dieser Welt nützt es nicht sonderlich viel dass es euch gibt – der braucht die Fotodrohne jetzt und hier.

Bringt also nur was für eine geplante Session für ein bestimmtes, vorausplanendes Event (Großdemo, Sportveranstaltung) und selbst das müsste schon vor der Haustür des jeweiligen Anbieters passieren weil sonst die Fahrtkosten alles

Des weiteren ist die Assoziationskette “Es gibt viele lokale Tageszeitungen, also auch viele Journalisten, also auch entsprechender Bedarf” nicht belastbar: die Masse der Berichterstattung geht über winzige Zeilen- und Bildhonorare. Wer 15 EUR per Bild bekommt, gehört fast schon zu den glücklichen Großverdienern, ein spektakuläres Luftbild bringt leider keinen Cent mehr an Honorar.

Ich denke schon, dass Foto- und Videodrohnen langfristig zur normalen Berichterstattung gehören werden. Aber dazu muss die Hardware dazu noch günstiger werden.

Bernhard Juni 8, 2013 um 03:06

Es gibt genügend Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von Drohnen in der Aufklärung, z.B. bei der Aufspürung von illegalen Vogeljägern auf Malta. Ebenso wurden Drohnen in Prag von Anwendern schon eingesetzt, um einen Überblick über eine Demonstration zu bekommen.

Der große Vorteil bei der AR Drone ist dabei die HD-Kamera, wobei man die Bilder / Videos gleich mit Freunden teilen kann bzw. auf Youtube hochladen kann. Allerdings erlaubt der Akku derzeit nur eine Flugdauer von ca. 10-15 Min. Zusätzlich benötigt man auch etwas Erfahrung bei der Bedienung.

Bei den professionellen Systemen, die die Polizei testet und z.B. auch bei einzelnen größeren Demonstrationen schon einsetzte, ist eine Flugdauer von 60 Minuten und mehr möglich. Diese Systeme kosten jedoch auch einen fünfstelligen Betrag und werden von ausgebildeten Personen gesteuert.

Jansen Media Juni 27, 2013 um 10:28

Ich benutze den Quadcopter für den Rallycross Sport.
Es gibt bei der Anwendung zur Durchführung natürlich Regeln, unter anderem eine Haftplicht Versicherung.
In meinem Fall ist es ein hilfreiches Tool bei dem Job.
Mann muß Autofahren, Radfahren, Fotografieren und Filmen lernen, alles braucht seine Zeit, aber dann,
hat es faßt jeder drauf.

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