Multimedia Workshop: Lessons Learned

by Steffen Leidel on 18. September 2011

Jeder Multimedia-Workshop ist anders, doch die Lehren, die die Teilnehmer daraus ziehen sind immer sehr ähnlich. Eines steht fest: Gefragt sind vor allem Geduld und Beharrlichkeit und es lohnt sich, wenn man sich eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit Technik und Tools antrainiert. Es gibt schon Ähnlichkeiten mit einem Langstrecken-Lauf. Am Anfang spurtet man noch voller Zuversicht und Erwartung los, bis sich die Milchsäure immer mehr in die Muskeln setzt. Dann gibt es den gefürchteten toten Punkt, an dem einem der Frust die Kehle zuschnürt, man hinschmeißen will, Zorn aufkommt über das, was man da tut (Warum tut man sich das nur an?). Doch am Ende wenn das Ziel erreicht, der Publish-Button gedrückt ist, dann schießen einem die Glückshormone ins Blut.

Multimediales Arbeiten bringt – wie jede kreative Arbeit – die Nerven in Aufruhr. Doch es muss nicht in Stress ausarten. Hier ein paar Tipps für effizientes, Nerven schonendes multimediales Arbeiten.

Nimm Dir nicht zu viel vor!

Das Internet ist das Medium mit den unbegrenzten Möglichkeiten. Die Versuchung ist groß, diese Möglichkeiten bis zum Geht nicht mehr auszureizen. Das ist leider nicht immer zum Nutzen des Users. Der wird nämlich vergessen. Oft werden Multimedia-Specials überfrachtet, sie biegen und brechen sich vor (oft mäßigem) Video-, Audio und Fotomaterial. Die Autoren vergessen über ihrer Begeisterung für die technischen Möglichkeiten die eigentliche Geschichte, die sie erzählen wollten. Ungezählt sind die Audio-Video-Slideshows mit dünnen Stories und mäßiger Dramaturgie, zahllos die unscharfen Fotos und verwackelten Video-Clips.  Kenne deine Möglichkeiten und achte auf dein Zeit-Management.


Die Story bestimmt die Darstellungsform

Was Teilnehmer aus einem Workshop gelernt haben

Was Teilnehmer aus einem Workshop gelernt haben

Bevor du mit Kamera und Mikrofon losstürmst, überlege dir erst, was für eine Geschichte du erzählen willst. Wenn du eine Geschichte hast, dann überlege dir, welche Medien (Ton, Video, Foto) sich am besten eignen, um die Geschichte zu erzählen. Du wirst überrascht sein: Häufig ist  ein einfacher Text immer noch die beste Darstellungsform. Darüber sollte man nicht enttäuscht sein. Aber multimediale Geschichten, die nur dazu dienen, dass Journalisten mal ein Video oder ein Audio gemacht haben, braucht die Welt nun wirklich nicht. Wenn Du Fotoslideshows machst, überlege Dir, ob Du sie als Diashow/Film mit Abspielbutton machen willst oder als Bildergalerie zum Durchklicken. Lineare Formate zwingen den Nutzer, deinem Rhythmus zu folgen. Viele User haben dazu aber keine Lust. Sie wollen sich lieber selbst – in ihrer Geschwindigkeit – durch eine Bildergalerie klicken.


Planung ist alles

Die größten Fehler beim multimedialen Arbeiten werden gemacht, bevor überhaupt das erste Interview geführt, die ersten Aufnahmen gemacht worden sind. Häufig wird einfach mal mit der Kamera draufgehalten, es werden hunderte Fotos gemacht, endlose Audios aufgenommen. Später bei der Endproduktion kommt dann die große Enttäuschung. Ausgerechnet die O-Töne, die Einstellungen, die man doch so dringend gebraucht hätte, fehlen jetzt. Stattdessen hat man volle Speicherkarten mit unbrauchbarem Material. Deshalb empfiehlt es sich dringend, vorher zu überlegen, welches Material man am Ende für den Beitrag benötigt. Nimm ein Blatt Papier und male dir auf, wie dein Produkt am Ende in etwa aussehen soll. Mach ein Storyboard.


Checke Deine Geräte

Es ist kaum zu glauben, wie oft Teilnehmer von Multimedia-Seminaren schon mit leeren Batterien oder vollen Speicherkarten zu ihren Interview-Terminen erschienen. Plötzlich wussten sie nicht mehr, wie man denn nun das externe Mikro an der Kodak-Zi8 pegelt oder wie man das automatische Blitzlicht an der Fotokamera abstellt. Also bitte niemals losgehen ohne Geräte-Check und ohne vorher mal Testaufnahen gemacht zu haben.


Achte auf Qualität

Oft hört man von Kollegen: „Ach so, das ist nur fürs Internet. Dafür reicht die Qualität“. Nein, damit stimme ich nicht überein! Wir sollten auch an Produktionen fürs Internet Qualitätsansprüche haben. Wackelvideos, unscharfe Fotos und krächzende Audios finden wir auf Facebook und Twitter schon genug.


Knipse nicht, fotografiere

Mit Foto-Apps wie Instagram oder Hipstamatic schafft man es, auch schlechte Fotos irgendwie gut aussehen zu lassen. Das war’s dann aber auch. Effekte schaffen es auch nicht, ein schlechtes Fotos zu tunen. Denn vielen Fotos fehlt einfach die Aussage, es sind Schnappschüsse, die oft nur dem Fotografen selbst interessant erscheinen. Beim Fotografieren musst du eine Entscheidung treffen: Wo willst du den Fokus im Bild setzen? Erzählt dein Bild eine Geschichte? Vermeide nichtssagende Totalen. Geh nah ran, fotografiere Details, aus verschiedenen Perspektiven. Und wähle Orte mit geeigneten Lichtverhältnissen. Angeblitzte Personen in nichtssagenden Büros sind ein No-No. Stelle deinen Protagonisten für ein Porträtfoto auch nicht in die brennende Mittagssonne, so dass in seinem Gesicht hässliche Schlagschatten entstehen. Und vor allem frage dich: Stimmt der Hintergrund. Oft werden Fotos durch einen unruhigen Hintergrund unbrauchbar.  Vergiss niemals: Wenn du Fotos für eine Slideshow machst, mache sie im Querformat. Bei Hochformat-Fotos gibt es sonst unschöne schwarze Ränder. Nimm deine Bilder immer in höchster Qualität auf. So hast du später bei der Bildbearbeitung mit Photoshop die größten Spielräume.


Weniger Video ist oft mehr

Checkliste für Multimedia-Reporter

Wenn die Teilnehmer des Seminars noch Video-Neulinge sind, dann gilt: weniger ist mehr. Videobearbeitung ist zeitfressend und kann für Anfänger frustrierend sein. Häufig ist das Material verwackelt, es fehlen Zwischenschnitte und immer wieder gibt es Ärger mit Videoformaten und Kodecs. Wichtig ist es, die richtige Schnittsoftware auszuwählen. Für einfache Beiträge ist iMovie zu empfehlen, da man in der Regel nur wenig Ärger mit den Videoformaten hat. Schwierig wird es dagegen mit dem Movie Maker wenn man z.B. eine Kamera wie die Kodak Zi8 nutzt. Die verwendet nämlich mov. Dateien, die nicht vom Movie-Maker bearbeitet werden können. Sie müssen erst z.B. in avi-Dateien konvertiert werden, was wiederum bei HD-Videos zeitraubend sein kann. (für die Konvertierung empfehle ich das Gratis-Programm MPEG Streamclip). Man kann auch professionelle Schnittprogramme wie Avid oder Final Cut nehmen, nur sind die für blutige Anfänger zu kompliziert und man braucht eigentlich jemanden, der während des Schnitts die ganze Zeit assistiert.

Wer mit einem Smartphone, einer Flip oder Kodak-Kompaktkamera filmt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass man bei diesen kleinen Geräten so gut wie nie ein unverwackeltes Bild hinbekommt. Deshalb: Bei Interviews auf jeden Fall mit Stativ arbeiten (und wenn es nur ein Gorillapod ist, das man an eine Stuhllehne klemmt.)


Gib dem Ton die Aufmerksamkeit, die er verdient

Bei vielen Multimedia-Produktionen kommt der gute Ton unter die Räder. Deshalb, wenn es geht, immer mit externen Mikrofonen arbeiten. Ich nutze kaum noch die Flip-Kamera, da man bei ihr nur das eingebaute Mikro benutzen kann. Da es wie ein Kugel-Mikro funktioniert, ist es eigentlich für Interviews an Orten mit Nebengeräuschen unbrauchbar. Besser geht es mit der Kodak Zi8, da man zumindest ein externes Mikro anschließen kann. Der Nachteil hier: Man kann keinen Kopfhörer anschließen. Aber eigentlich sollte ein Kopfhörer Pflicht für jede Audio-Aufnahme sein. Wer mit einer DSLR-Kamera filmt, der sollte den Ton wie beim Film am besten extern aufnehmen (das kostet natürlich wieder Zeit).

Bei reinen Audioaufnahmen kann man jedoch inzwischen sogar mit iPhone oder iPad ganz gute Ergebnisse erzielen, zumal es dafür immer mehr Zubehör gibt (z.B. externe Mikros).


Vermeide Durcheinander in der Endproduktion

Überlege Dir eine sinnvolle Ordnerstruktur für dein Rohmaterial. Im Eifer der Produktion geht den Autoren oft der Überblick verloren. Es werden immer wieder neue Clips erstellt, die dann mit kryptischen Namen und Adjektiven wie „neu“, „final“, „endgültig“ versehen an unbekannten Speicherorten abgelegt werden. Wird im Team gearbeitet, ist dann am Ende nicht immer klar, welche Version denn nun wirklich die endgültige war.


Erstelle Sicherheitskopien

Es klingt trivial, doch meist wird es im Produktionsstress vergessen: Es empfiehlt sich immer, das Material doppelt zu speichern. Am besten nutzt man dafür eine externe Festplatte vor allem wenn man mit Computern arbeitet, die einem nicht selbst gehören.

Kill your Darlings

Unsere Recherche war hart, bei Wind und Kälte haben wir O-Töne gesammelt, für Fotos und Videos haben wir uns so ins Zeug gelegt, dass der Rücken schmerzt. Das alles interessiert am Ende aber den User nicht. Er will gute Geschichten sehen, hören, lesen. Damit die wirken, muss man häufig das gesammelte Material stark eindampfen. Oft bleiben Töne oder Bilder auf der Strecke, die wir lieb gewonnen haben, die aber bei kühler Betrachtung unsere Geschichte nicht weitergebracht hätten. Also: Kill your darlings, auch wenn es weh tut.

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