Die Zukunft des Journalismus

by Marcus Bösch on 10. Mai 2009

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Eigentlich sollte es längst eine Binsenweisheit sein. Die Medien haben ihr Meinungsmonopol verloren, die Betonung liegt auf ‘Monopol’. Annette Milz in: Die Alpha-Journalisten 2.0

Arianna Huffington hat letzte Woche vor dem US-Senat (genauer vor dem Senate Subcommittee On Communications) eine ganz schöne kleine Rede gehalten, die man sich hier als PDF herunterladen kann. Es sind nur vier Seiten. Darin enthalten sind keine Geheimnisse, keine wundersamen Vorschläge und keine Sensationen. Trotzdem sollte man diese vier Seiten mal ausdrucken, lesen und dann mit in die Redaktion nehmen -  denn ganz offensichtlich fehlt es vielerorts an einer Grundbereitschaft die stattfindende Veränderung des ureigenen Metiers wahrzunehmen.

Frau Huffington sagt ganz einfache Dinge

Consumer habits have changed dramatically. People have gotten used to getting the news they want, when they want it, how they want it, and where they want it. And this change is here to stay.

Die Konsequenz daraus

As my compatriot Heraclitus put it nearly 2,500 years ago: “You cannot step into the same river twice.”

Am Beispiel von Videos verdeutlicht sie das neue Nutzerverhalten und den Umgang damit

Online video offers a useful example of the importance of being able to adapt.  Not that long ago, content providers were committed to the idea of requiring viewers to come to their site to view their content — and railed against anyone who dared show even a short clip. But content hoarding — the walled garden — didn’t work. And instead of sticking their finger in the dike, trying to hold back the flow of innovation, smart companies began providing embeddable players that allowed their best stuff to be posted all over the web, accompanied by links and ads that helped generate additional traffic and revenue.

Ganz augenscheinlich wird es notwendig anders und viel mehr über das Was und Wie nachzudenken

The most exciting thing for both journalists and news consumers, is the fact that technology will continue to give readers more and more control over what kind of information they get, and how that information will be presented. The days of publishing pooh-bahs dictating what is important and what is not are over. And thank goodness.

Ein Zurück gibt es nicht, aber eine aufregende Zukunft, wenn man sie denn aktiv gestalten will

We stand on the threshold of a very challenging but very exciting future.  Indeed, I am convinced that journalism’s best days lie ahead — just so long as we embrace and support innovation and don’t try to pretend that we can somehow hop into a journalistic Way Back Machine and return to a past that no longer exists and can’t be resurrected.

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Man kann sich die Rede auch anschauen. Auch wenn Madame eigentlich fast nur abliest.
Komisch auch: Die Huffington Post bietet eine Verlinkung an. Embedden kann man
das Video nicht…

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J0nes Juni 18, 2009 um 09:07

Hi, also klasse, dass diese Thesen jetzt mittlerweile, nach 10 Jahren oder so, im Kongress angekommen sind – aber letztlich handelt es sich doch hier nur um technische Randbedingungen, die wegen einem für ältere Menschen immer noch viel zu komplizierten Ding – Computer – fälschlicherweise in den Vordergrund gerückt werden. Tatsächlich aber wird die Zukunft des Journalismus uns alle zurückwerfen auf Themen, welche den Kern des Journalismus ausmachen: Einflussnahme, politische Verfolgung, Zensur, ökonomische Abhängigkeit. Der Zerfall der traditionellen “News Units” wird einher gehen mit massiven Einschränkungen der sogenannten “Freiheit” des Internet – Staaten wie Deutschland, China und Iran sind nur Beispiele für die Probleme, die den Onlinejournalisten in nicht allzu ferner Zukunft global betreffen werden. Wer wird Dich schützen, wenn Deine Redaktion nicht mehr existiert oder Dich nie gesehen hat? Wer hilft Dir, wenn Dein Video auf Google nicht mehr auftaucht? Wer schützt Dich vor den Trojanern der Politiker und Company-Chefs, denen Du missfällst mit Deiner Arbeit? Wer hilft Dir, nicht überall Spuren zu hinterlassen wie ein Elefant, wenn Du doch Deine Informanten schützen musst? Die Zukunft des Journalismus wird uns konfrontieren mit massiver Repression, Kampf um Rezipientenfreiheit und gegen Zensur. Der “hyperlokale”, individualisierte Onlinejournalist, der von Webservices grosser Companies abhängig ist, um seine Produkte in die Welt zu bringen, darf heute schon im Schicksal ägyptischer oder arabischer Blogger einen Blick in seine Zukunft werfen. Es ist eine Lüge, dass professioneller Journlismus plötzlich ohne vertieftes Wissen um die Werkzeuge funktionieren soll – das wichtigste KnowHow des Onlinejournalisten der Zukunft ist das Wissen darum, wie man zensurresistent und dezentral veröffentlicht, anonym recherchiert und seine Informanten schützt – und das geht nicht mit Google und all den anderen Tools, die jetzt von allen nachgeplappert werden. Völlig absurd ist es, die Web-Werkzeuge von grossen Companies als Freiheitsgewinn zu feiern – Zensur ist real und ohne Schutz davor gibt es keinen Onlinejournalismus. Das einzige ernst zu nehmende, heutzutage real existierende Modell für Onlinejournalismus ist wikileaks.org

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