Warum tun Sie sich das bloß an?
Jeder dritte Deutsche tut es: Er arbeitet ohne Geld. Ehrenamtlich. Aber warum? Wir suchen nach Antworten. Wo findet Ehrenamt statt? Welche Funktion erfüllt es in unserer Gesellschaft? Wie würde es in unserem Land aussehen, wenn es niemand tun würde? Wir recherchieren für Sie. Aber wir wollen auch Ihre Antworten lesen: Warum tun Sie sich das an? Warum tun es andere, die Sie kennen?
Schreiben Sie und schicken Sie uns ein Foto dazu. Unsere Mailadresse: german AT dw-world.de
Alle Einsendungen werden in unserem Rechercheblog veröffentlicht. Und die beste Antwort gewinnt: Wir porträtieren Sie und stellen Ihr Ehrenamt oder Projekt vor!
Und hier jetzt einige Einsendungen:
Marlis Hombergs, leitet ein Demenz-Café:
“Vor 6 Jahren verließ ich den Schuldienst nach einer Krebserkrankung. Nach 25 Jahren hatte ich endlich erkannt, dass ich nicht dauernd Druck auf andere Menschen ausüben kann und damit auch auf mich. Nach der glücklicherweise unkompliziert verlaufenen Heilung suchte ich ein Betätigungsfeld für meine neu erwachten Energien. Die Alzheimer-Gesellschaft Bochum bot einen Zertifikatskurs an. Ein Bezug zu meinem eigenen Leben war sofort da: ich habe eine steinalte Mutter, deren geistige Kräfte – sagen wir mal – im Abbau begriffen sind.
Ich habe einige häusliche Betreuungen durchgeführt, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Die Dankbarkeit ist immer groß; auch bei den Betreuten selbst. Der Weg in deren Herzen führt allerdings oft durch Umwege. Im Internet recherchiere ich Bilder, Lieder und Fakten, die mit der Biografie der Menschen zusammenhängen. Sehe ich erst ihre Augen mit Interesse aufblitzen, ist alles klar. So läuft es auch in unserem Café Domino, das ich seit 6 Jahren mit einer Kollegin zusammen leite. Dorthin werden demenzkranke Gäste gebracht, die von (meist weiblichen) Angehörigen zu Hause gepflegt werden. Traurig ist nur, dass viele dieser Angehörigen die Hoffnung haben, wir könnten ihre Lieben heilen, und einige auch nicht verstehen, dass Mutter/Vater, Mann/Frau sich nicht aus Trotz so benehmen, wie sie das tun. Manche dieser Missverständnisse können wir durch lange Gespräche ausräumen.
Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Zuneigung, Hinwendung, Hilfe für die Erkrankten und ihre Angehörigen und der Distanz, die nötig ist, um die vielen Tode zu verarbeiten. Das Beerdigungs-Ensemble hängt immer gut ausgebürstet im Schrank.
Eine vorläufige Bilanz nach 6 Jahren Ehrenamt: Ich habe gelernt, dass das Sterben zum Leben gehört, bin demütig geworden vor der Kraft mancher Angehörigen im Umgang mit ihren Alzheimer-Kranken. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass jedes Leben lebenswert ist. Unsere Gäste sind voller positiver Überraschungen. Sie leben noch, und wir dürfen ihnen dabei helfen.”
Sebastian Kleiber, Oberfeuerwehrmann: “Ich bin ehrenamtlich in der Feuerwehr tätig, weil es ein schönes Gefühl ist, anderen helfen zu können und die Kameradschaft in der Gemeinschaft der freiwilligen Feuerwehr zu genießen.”
Kay Uhlig, Oberfeuerwehrmann: “Ich bin ehrenamtlich in der Feuerwehr tätig, weil ich die Kameradschaft schätze.”
Martin Häusler, Löschmeister: “Ich bin ehrenamtlich seit 1994 in der freiwilligen Feuerwehr tätig, um anderen Leuten in Gefahrenlagen bei Bränden oder Notlagen zu helfen. Durch meine Kenntnisse konnte ich auch meinen Arbeitgeber
überzeugen, als Brandschutzbeauftragter in der Firma tätig zu werden.”
Christian Straßburg, Löschmeister: “Ich bin seit 1999 ehrenamtlich in der Feuerwehr tätig, weil ich das Ehrenamt schätze und hier meine erlernten Fähigkeiten dem Einsatzgeschehen nach einsetzen kann.”
{ 17 Kommentare }
Guten Tag. Ich spende einmal an Weihnachten. Eigentlich würde ich gerne mehr machen!
Schön, dass sich jemand ausgiebig mit dem Thema Ehrenamt auseinandersetzt. Ich betreibe die Pressearbeit für die Freiwillige Feuerwehr Prenzlau und habe in diesem Zusammenhang einige Kameraden porträtiert. Wenn an den Texten Interesse besteht, kann ich diese gern kostenfrei zur Verfügung stellen.
Kontakt:
Sven_Lipinski(at)feuerwehr-prenzlau.de
Es würde mich freuen, von Euch zu hören!
Viele Grüße
Sven
Hallo Sven,
das klingt gut. Wenn die Kameraden eine Antwort auf die Frage parat habe, warum sie sich das antun, dann sehr gerne. Vielleicht kannst Du zwei oder drei auswählen? Wenn Du uns die Fotos und die Texte an die Mailadresse oben schickst, dann kümmern wir uns sehr gerne darum. Okay?
Beste Grüße und vielen Dank für´s Mitmachen!
Marcus
Hallo Marcus,
E-Mail ist raus!
Hallo mein Name ist Fabian und ich bin seit 7 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr ( 3 Jahren Jugendfeuerwehr und schon seit 4 Jahren in der Aktiven Wehr). Feuerwehr ist meine leidenschaft, mein Hobby und zugleich weiss ich das ich was gutes mache ohne zu Spenden wo man ja bekanntlicherweise nie genau weiss ob das Geld auch dort ankommt, wofür man gespendet hat!
Lg Fabi
Das ist ein gutes Argument! Danke für deinen Kommentar.
Der springende Punkt im Vergleich von eigener ehrenamtlicher Arbeit und einer Geldspende ist in meinen Augen aber, dass du bei eigener ehrenamtlicher Tätigkeit deine Mitmenschen direkt und unmittelbar helfen bzw. unterstützen kannst. Deren Dank zu erfahren ist bedeutend mehr wert als eine Geldspende – denn die Gewissheit, den Mitmenschen geholfen zu haben, ist ein sehr schöner “Lohn” für unentgeltliche ehrenamtliche Arbeit.
ich finde die fragestellung suboptimal. ich kenne viele menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, aber ich glaube, keiner von denen würde davon sprechen, dass er sich das “antut”. ich würde davon ausgehen, dass die allermeisten ehrenamtlichen spass an ihrem engagement haben. das ist immer eine kombination von einsatz für die anderen und freude daran für einen selbst. ich zum beispiel bin einmal die woche ein paar stunden im berliner stadtteil wedding und hänge dort mit kindern in einem freizeitladen ab. das programm ist cool für die kinder, aber auch ein riesenspass für mich.
Hallo Änn,
die Fragestellung ist natürlich augenzwinkernd gemeint
Wenn du magst, schick uns doch gerne ein Foto von Dir und dem Freizeitladen und einer individuellen Antwort: Warum Du Dir das “antust”.. german@dw-world.de
Beste Grüße,
Marcus
Hallo mein Name ist Jutta,
ich arbeite seit 2 Jahren ehrenamtlich in der Schülerbücherei der Bertolt-Brecht- Gesamtschule Bonn.Die Bücherei wird von Montag bis Freitag von z.Zt. 20 ehrenamtlichen Müttern und Vätern und derzeit 2 Großmüttern betreut.Wir wollen die Förderung der Lesekompetenz unterstützen,kümmern uns um alle anfallenden Arbeiten einer Bibliothek,wie Ausleihen,Registrieren,Verwalten der Bücher und Hörbücher,Aussuchen,Bestellen und Neuaufnahme von neuen Büchern,betreuen 6 Internetarbeitsplätze,planen Leseaktionen und organisieren Flohmarktstände und Werbeaktionen zum Spendensammeln.
Wir möchten den Betrieb aufrechterhalten,um den Kindern,auch solchen mit Migrationshintergrund und LRS-Problemen das Thema Lesen näher zu bringen.Das nette Miteinander , der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen und das positive Feedback macht uns sehr viel Spass und wir hoffen,dass es noch lange so weitergeht.
Lg Jutta
Das like Button Plugin waere stark. Oder habe ich es nicht gesehen?
Hi Jasmin. Wir hatten einen integrierten Like-Button im Disqus-Kommentarsystem. Leider hatten wir damit einige Probleme, deshalb mussten wir das von der Seite nehmen. Ich schau mal zwischen den Jahren ob ich schnell einen neuen Button integrieren kann. Danke für den Hinweis und frohe Weihnachten!
Hallo,
mein Name ist Renate, seit vielen Jahren war ich schwerhörig und verlor dann ganz mein Hören. Ich war vollständig taub. Mit Hilfe einer Operation, ich bekam ein Cochlea Implantat, konnte ich wieder das Hören lernen und bin wieder voll dabei! Dank des ehrenamtlichen Engagements vieler gleichbetroffener Menschen konnte ich Mut fassen um diese Operation zu wagen. Jetzt bin ich vollauf zufrieden mit meinem neuen Hören. Es klingt zwar etwas anders als früher, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.
Dieses fantastische Erleben setzte ungeahnte Energien frei und sind bis heute mein Motor, andere Menschen darüber aufzuklären, was ein Cochlea Implantat ist. Sehr viele haben nämlich noch nie etwas darüber gehört.
Durch Informationsveranstaltungen, Selbsthilfegruppentreffen, gemeinsames Hörtraining , Beratungen über öffentliche Foren, Facebook, wkw etc. kommen wir in Kontakt mit Hilfesuchenden man bekommt viel Dankbarkeit zurück.
Weiter so, super (habe zwei schwerhörige Töchter) und das ehrenamtliche Arbeiten macht einen selbst stärker – viel Glück und Freude dabei.
Hallo, ja das konnten wir bei unserer Recherche auch beobachten. Die meisten Leute bereichert ihr ehrenamtliches Engagement unheimlich. Liebe Grüße
Seit acht Jahren bin ich ehrenamtlich tätig, ein- bis zweimal in der Woche, in einer “food bank” hier in Canada außerhalb von Toronto. Da ist viel Bedarf, hauptsächlich bei Neu-Einwanderern, die noch keine Erwerbstätigkeit gefunden haben, und bei alten und kranken Menschen. Das ganze wird von fünf Kirchen unterstützt und unterhalten,
die “Gäste” bekommen je nach Situation einen “Gutschein”, mit dem sie sich in unserem kleinen “Supermarkt” aus-suchen können, was sie wirklich brauchen. Wir haben viele dankbare Besucher und es macht Freude, wenn man ein wenig helfen kann.
Renate Kellhammer
Mississauga, ON Canada
Hallo,
seit 9 Jahren unterrichte freiwillig Deutsch bei mir zu Hause, aber jetzt wird all das ernster! Früher unterrichtete ich für zwei Personen um mein Deutsch zu üben, aber heute ist das anders. Ich hatte letztes Jahr eine Klasse mit fünf Schülern, die heute schon einige Sätze bauen können. Das ist ein gutes Zeichen um eine neue Klasse zu haben und so meine Arbeit fortzusetzen.
Ich habe also heute eine neue Klasse angefangen mit 4 Schülern die mir damit helfen möchten die deutsche Sprache und Kultur zu verbreiten. Damit bauen wir unsere Deutsche Akademie auf!
Viele Grüsse aus Brasilien!
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